Türkei – ein Abstecher in eine überaus facettenreiche Natur

Die Millionenmetropole Istanbul, die Höhlenstädte von Kappadokien, die Kalksinterterrassen von Pamukkale, die Felsgräber von Myra und die antike Stadt Aspendos zählen zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Türkei. Dazu bietet das Land herrliche Strände – und außerdem eine Fülle an Nationalparks. Die beiden ältesten Schutzgebiete dieser Art richtete die Türkei im Jahr 1958 ein: den von Pinienwäldern und Steppen geprägten Yozgat-Camligi-Nationalpark östlich von Ankara und den Karatepe-Aslantas-Nationalpark mit der gleichnamigen neo-hethitischen Ruinenstätte an der Südküste. Inzwischen gibt es rund 40 Nationalparks sowie zahlreiche weitere Schutzgebiete. Gut zu erreichen ist der seit 1973 bestehende Köprülü-Kanyon-Nationalpark unweit des Badeortes Antalya an der Südküste. Herz dieses gut 350 Quadratkilometer großen Areals ist ein bis zu 400 Meter tiefer Canyon, der sich zwischen Bolasan und Beskonak über knapp 15 Kilometer zieht. In dieser seit Jahrhundert besiedelten Region stößt man zudem auf einige Hinterlassenschaften aus der Römerzeit. Als Kontrastprogramm zum Strand lädt dieser Nationalpark zu ausgedehnten Wanderungen ein, ganz Mutige können sich auf dem Köprücay ins Raftingabenteuer stürzen.

Ein Fluss gab dem Altindere Milli Parki bei Trabzon in der östlichen Schwarzmeerregion zwar seinen Namen, doch zum Raften eignet sich dieser ruhig dahingleitende Wasserlauf nicht. Diesen zu großen Teilen bewaldeten Nationalpark zieren dafür zahlreiche Klöster wie das zu Ehren der Mutter Maria errichtete Sümela-Kloster. Es beeindruckt zum einen wegen seiner Lage dicht an einem Abhang, zum anderen wegen der Innenausstattung und der gesamten Gestaltung mit kleinen Kapellen sowie weiteren Bauten. Der größte Nationalpark der Türkei befindet sich südlich von Ankara in der Provinz Konya: der Beysehir-Gölü-Nationalpark. Benannt nach dem mit einer Fläche von gut 650 Quadratkilometern drittgrößten See der Türkei bietet dieser Nationalpark neben zahlreichen Fischarten und Wasservögeln auch Wasserschildkröten eine Heimat. Auf Wanderungen kommt man durch dichte Waldgebiete, die teilweise ans Ufer des von Bergen gesäumten Sees reichen. Rund um den See verstreut liegen mehrere für an Geschichte Interessierte sehenswerte Orte: östlich beispielsweise das hethitische Quellheiligtum Eflatun Pınar, südlich davon das hethitische Relief Fasillar und am gegenüberliegenden Seeufer Überreste des seldschukischen Sultanspalastes.

Auch auf den Inseln im See gibt es mehrere steinerne Erinnerungen an frühere Bewohner. Mit dem Honaz-Dagi-Nationalpark in der südwestlichen Provinz Denizli schützt die Türkei eine waldreiche, bergige Ägäis-Region rund um den 2.528 Meter hohen Honaz Berg. Obwohl es die klimatischen Verhältnisse in den Wintermonaten hergeben würden, eignet sich diese wenig erschlossene Gebirgsregion wegen der dichten Wälder nicht zum Wintersport. Das sieht im Uludag-Nationalpark, südlich des Marmarameeres zu finden, ganz anders aus. Von Mitte Dezember bis Ende April locken knapp 40 Kilometer von Bursa entfernt in rund 2.000 Metern Höhe gut präparierte Ski- und Snowboardpisten, zu denen man bequem mit dem Skilift kommt. Wer die Seilbahn nimmt, genießt das ganze Jahr hindurch einen herrlichen Ausblick. Durch diesen Nationalpark durchzieht eine Vielzahl schöner Wanderwege. Einige führen zu den heißen Quellen rund um den 2.543 Meter in den Himmel ragenden Gipfel, andere zu den Gletscherseen, die sogar im Sommer eine Eisschicht tragen. Macht man sich zu Fuß auf den Weg, entdeckt man eine außergewöhnlich facettenreiche Pflanzenwelt, wie man sie nur selten findet. Mehr als 100 unterschiedliche Pflanzenarten gedeihen in dieser Region, 35 davon ausschließlich auf dem Uludag. Außerdem kann man beim Wandern neben anderen Tieren rund 50 Schmetterlingsarten bestaunen, darunter mehrere vom Aussterben bedrohte.

Tilos – kleine Dodekanes-Insel mit reichlich Erlebnispotenzial

Bei den vielen griechischen Inseln den Überblick zu behalten, fällt ganz sicher nicht leicht. Erst recht dann nicht, wenn man versucht, einzelne Inseln ihren Inselgruppen zuzuordnen. Da gibt es die Kykladen mit der Untergruppe Kleine Ostkykladen, die Sporaden – weiter unterteilt in Nördliche und Südliche, die Ionischen Inseln, dann noch Kreta, Inseln in der Peloponnes-Region usw. usw. Ganz zu schweigen von spärlich bis gar nicht besiedelten Inselgruppen wie beispielsweise den Diapontischen Inseln, Fourni oder Inousses … Etwas leichter gelingt die Unterteilung nach Meeresregionen, da man sich dabei ganz gut auf einer Karte orientieren kann. Sucht man beispielsweise den aus rund 160 Inseln bestehenden Dodekanes, so findet man diese Inselgruppe in der östlichen Ägäis vor der türkischen Küste. Zu den bekanntesten Inseln des östlich von Kreta gelegenen Archipels zählen Rhodos und Karpathos. Doch es gibt zahlreiche andere Inselchen, die mindestens ebenso reizvoll sind – Tilos zum Beispiel. Nur etwa doppelt so groß wie die Nordseeinsel Borkum bietet diese Insel nordwestlich von Rhodos viel Sehenswertes. Wer mit der Fähre auf Tilos ankommt, sieht schon von Weitem, dass Gebirgslandschaft die Insel prägt.

Wirkliche Traumstrände gibt es hier nicht, denn meist fallen die Felsen steil zum Wasser ab. Kieselstrände findet man bei Plaka an der Nordwestküste, in der Bucht von Livadia sowie in Eristos – beide auf der Ostseite. Die mit nicht einmal 1.000 Einheimischen äußerst dünn besiedelte Insel mit ihrem rauen Charme und der Ursprünglichkeit ihrer Landschaft wird vor allem diejenigen begeistern, die gern wandern oder sich für Geschichtliches interessieren. Die Aufmerksamkeit von Archäologen weltweit erregten fossile Funde von Zwergelefanten, die erst in den 1970er Jahren bei Grabungen in der Charkadio-Höhle zwischen Livadia und Megalo Chorio ans Licht kamen. Einige Funde aus der öffentlich nicht zugänglichen Höhle und die Rekonstruktion eines Skelettes dieser bis zu 1,20 Meter großen Tiere zeigt das „Elefantenmuseum“. Unterhalb der Grotte lockt ein vor nicht allzu langer Zeit gebautes Amphitheater zu verschiedenen Sommerveranstaltungen. Die weißgetünchten Häuser der eher ruhigen Inselhauptstadt Megalo Chorio schmiegen sich im nördlichen Hinterland von Tilo an die Steilhänge des Kastro-Hügels. Beim gemütlichen Bummel durch die engen, oft steil ansteigenden Gassen entdeckt man in Megalo Chorio so manches liebevoll restaurierte Gebäude aus früherer Zeit.

Etwas oberhalb des Ortes steht die byzantinische Kirche, hinter der sich Überreste der alten Stadtmauer entlangziehen. Verweilen kann man im Kafeneion, in der Taverne oder der Bar des Ortes. Auf der „Spitze“ des Kastro-Hügels thront eine alte, gut erhaltene Johanniterfestung, einst zum Schutz vor Piraten errichtet. Hinauf führt ein markierter Wanderweg, der es mit losem Geröll und so einigen hohen Stufen in sich hat. Doch der schweißtreibende Aufstieg zur Burgruine lohnt, denn von oben liegt einem die gesamte Insel zu Füßen. Man schaut auf die umliegenden Berge und in die fruchtbare Ebene von Kambos im Herzen der Insel. Auch die Bucht von Agios Antonios mit dem kleinen Hafen, vorgelagerte Inselchen und Plakas sind zu sehen. Zahlreiche Wanderwege ziehen sich von Megalo Chorio aus über die Insel. Einer führt beispielsweise nach Mikro Chorio, einer inzwischen aufgegebenen Ortschaft, in der die Gehöfte allerdings nach und nach restauriert werden. Den Sommer über werden die alten Gebäude nachts angestrahlt und es finden Tanzpartys statt. Maria Himmelfahrt feiern die Einheimischen hier in der restaurierten Kirche. Wer sich fürs Wandern entscheidet, entdeckt auf Tilos neben vielen weiteren verlassenen Gebäuden auch romantische Kapellen, zerfallene Terrassenfelder und oft reich ausgestatte Klöster wie das des Agios Panteleimon. Belebtester Ort der Insel ist wegen des geschäftigen Hafens übrigens Livadia.

Amasya – schlummernde Schönheit in einem malerischen Tal im Gebirge

Die Küstenregionen, Kappadokien und Städte wie Istanbul oder Ankara stehen auf der Liste beliebter Reiseziele in der Türkei ganz oben. Doch im Hinterland finden sich viele wenig bekannte Orte und Regionen, die ebenso unvergessliche Eindrücke hinterlassen. So schmiegt sich etwa 340 Kilometer nordöstlich von Ankara das 100.000-Einwohner-Städtchen Amasya malerisch in ein Flusstal des Pontus-Gebirges. Um 300 v. Chr. erhoben die Herrscher des Königreiches Pontos die Ende der Bronzezeit von Hethitern gegründete Stadt Amasseia zur ersten Hauptstadt ihres Reiches. Unter den folgenden Herrschern – Perser, Römer, Byzantiner, Seldschuken, Mongolen und Osmanen – durchlebte Amasya ein ständiges Auf und Ab. Mal erlangte die Stadt große Bedeutung als Bischofssitz, Hauptstadt des seldschukischen Sultans Mesud I. oder Stätte der Ausbildung angehender Sultane, dann versank sie wieder in Bedeutungslosigkeit. Was bis heute gelang, ist der Erhalt zahlreicher geschichtsträchtiger Gebäude, die sich vor allem entlang des Flusses Yesilirmak aneinanderreihen. Die sogenannten Yaliboyu Häuser stehen unmittelbar am Fluss auf der alten Stadtmauer. Beim Blick hinauf in die schroffen Berge entdeckt man auf dem Harsena zudem eine Burg, die etwa 300 Meter über der Stadt thront.

Die Grundmauern dieser auch Schloss Amasya genannten Anlage sollen aus Zeiten des Pontos-Königs Mithridates VI. stammen. Mehrmals rissen die jeweiligen Herrscher die von Angriffen schwer getroffene Burg ab und ließen an gleicher Stelle neue Festungsbauten errichten. Die weitverzweigte Anlage lädt heute mit Brunnen, Überresten alter Paläste, Hamams und Moscheen sowie den in Fels geschlagenen Königsgräbern zu einer Exkursion durch die Geschichte Amasyas ein. Die Wände der höhlenartig ausgebauten Grabkammern verzieren aufwändige Malereien. Einige zusammenhängende Abschnitte der Ferhat Su Kanali – einer vermutlich aus der Römerzeit stammende Wasserleitung mit Tunneln und Aquädukten – blieben in der Stadt und der unmittelbaren Umgebung erhalten. Reich ist Amasyas Erbe aus verschiedenen Jahrhunderten auch an Moscheen, Medresen und muslimischen Mausoleen. Einer der schönsten Moscheen-Komplexe ist die „II. Bayezid Külliye“, errichtet von 1481 bis 1486. Sie besteht unter anderem aus einer prachtvoll ausgestatteten Moschee mit Seitenräumen, einer u-förmigen Medrese, der heute vom Modell-Museum genutzten Armenküche und einem 12-eckigen Brunnen mit einer Pyramidendecke.

Dem Innenhof spenden mächtige Platanen Schatten, die an dieser Stelle vor über 500 Jahren gepflanzt wurden. Zwei weitere interessante Amasyaer Moscheen stehen rund 70 Jahre länger: die zierlich wirkende Sultan Bayezid Camii gegenüber der Künc Brücke und die rote Cilehane Camii. Zu den ältesten erhaltenen Moscheen der Stadt gehören die um 1240 gebaute Burmali Minarett Moschee mit dem Grabmal des Prinzen Cumudar, die Sarachane Moschee aus dem Jahr 1372 sowie die im 7. Jh. als byzantinische Kirche geweihte und später umgebaute Fethiye Camii. Nur Überreste blieben dagegen vom einst stolzen bedeckten Basar, den Beyazid II. Ende des 15. Jahrhunderts errichten ließ. Wer sich für Geschichte interessiert, sollte sich in dem einen oder anderen der vielen Museen in Amasya umschauen: So präsentiert das „Museum der Prinzen“ in authentisch ausgestatteten Räumen diverse prunkvoll gekleidete Figuren osmanischer Sultane sowie das Ambiente anatolischer Herrscherhäuser im 15./16. Jh. Noch weiter in die Vergangenheit entführt das 1925 gegründete Archäologische Museum, dessen älteste Stücke Artefakte aus der Kupfersteinzeit sind. Ebenfalls einen Abstecher wert: die Residenz Hazeranlar mit einer Kunstgalerie sowie Alltagsgegenständen aller Art, darunter Schmuck, Geschirr, Kleidung, Möbel und Kelims.

Thessalien – eine anmutige Region voll mit griechischer Mythologie

Relativ zentral auf dem griechischen Festland liegt Thessalien. Heute eine Region Griechenlands, grenzt das einstige Siedlungsgebiet des Stammes der Thessaloi an die Regionen Makedonien, Epiros und Mittelgriechenland. Südöstlich schließt sich Euböa an. Teil Thessaliens sind die der Pilion-Halbinsel vorgelagerten Inseln der Nördlichen Sporaden. Auf einer Fläche etwas kleiner als Schleswig-Holstein präsentiert Thessalien sich mit sehr abwechslungsreichen Landschaften. So stößt man im Zentrum auf die fruchtbare thessalische Ebene, im Osten auf Magnisia mit herrlichen Stränden an der Ägäisküste sowie im Nordosten auf Griechenlands höchstes Gebirge, den Olymp mit fast 3.000 Meter hohen Gipfeln. Weitere hohe Gebirgszüge umgeben die Ebene im Herzen Thessaliens, darunter Ossa, Pindus, Pilion, Orthrys, und Adrapha. Zu den Naturschönheiten der Region gehört das idyllische Tempe-Durchbruchstal, das der Pinios auf acht Kilometern Länge zwischen Ossa- und Olymp-Gebirge in die Landschaft gegraben hat. Mit der griechischen Mythologie ist dieser einzige direkte Zugang von der Ebene zum Meer eng verbunden, und das nicht nur wegen des Flussgottes Peneios. Es heißt, dass sich Apoll nach dem Mord an Python, der in Delphi das Heiligtum der Gaia bewacht hatte, in den Wassern des Flusses von seiner Schuld reinwusch.

Überhaupt trifft man überall in Thessalien auf mythologische Stätten. Allen voran natürlich der Olymp, der als Sitz des Zeus und Schauplatz des Sieges der Götter über die Titanen am meisten verehrte Berg Griechenlands. Nicht zu vergessen die Wälder und Schluchten des Olymp, in denen die neun Musen – die griechischen Göttinnen der Kunst und der Wissenschaft – ihren Sitz hatten. Der Pilion dagegen gilt als Heimat der Zentauren, jener stolzen Krieger, mit einer Gestalt halb Mensch, halb Pferd. Der Hafen Pagases im Regionalbezirk Magnisia soll Ausgangspunkt für Iasons lange Reise mit den Argonauten gewesen sein… So finden sich fast überall in Thessalien interessante Ansätze für eine Zeitreise. Ganz gleich, wie real all diese Geschichten sind: Fakt ist, dass die Region seit der Altsteinzeit besiedelt wurde. Vielerorts finden sich in Thessalien Grabungsstätten, in denen Archäologen Überreste antiker Stätten freilegten. Einige davon sind öffentlich zugänglich, unter anderem die bei Volos. Auf dem Hügel Palia am nördlichen Stadtrand entdeckten Wissenschaftler die Überreste des mykenischen Palastes lolkos. Wenige Kilometer südlich der Hafenstadt befand sich Pagases. Auch von Demetrias, bis 196 v. Chr. wichtigster Hafen Makedoniens, blieb unweit von Volos etwas erhalten – unter anderem Mauerreste, Teile einer Wasserleitung und eines Theaters.

Viele wertvolle Exponate aus Grabungsstätten bewahrt das archäologische Museum in Volos auf, darunter bemalte Stelen und Grabsteine. Nicht ganz so alt sind die Metéora-Klöster, die in der Nähe der Stadt Kalambaka auf hohen Sandsteinfelsen stehen. Die ältesten der insgesamt 24 Bauten stammen aus dem 13. Jh., sechs – Metamórphosis, Varlaám, Rousánou, Agia Triáda, Agios Stéfanos und Agios Nikólaos Anapavsás – sind noch heute bewohnt und können besichtigt werden. Wer sich auf den beschwerlichen Weg macht, sollte aber unbedingt auf angemessene Kleidung achten. Besuchen sollte man auch Thessaliens Hauptstadt Larisa, die nahezu in der Mitte der Region zu finden ist. In der Kleinstadt mit ihren rund 163.000 Bewohnern gibt es neben zahlreichen Läden und Restaurants auch einige interessante Museen mit Ausstellungen zu Geschichte und Folklore, mit Kunstwerken und archäologischen Schätzen. Beim Stadtbummel kommt man außerdem an zahlreichen historischen Bauwerken wie der Kathedrale Agios Achilleios, der Yeni Moschee und dem Buyuk Hamam vorbei. Zudem bekommt man auch in Larisa verschiedene antike Grabungen zu Gesicht, unter anderem zwei Theater, Bäder, das Fortress und Überreste der byzantinischen Stadtbefestigung.

Zentralanatolien mal abseits von Kappadokien, Ankara und Traumstränden

Zu den beliebtesten Reisezielen Zentralanatoliens gehören neben der Hauptstadt Ankara die Tuffsteinlandschaften von Kappadokien und die südlichen Küsten entlang des Mittelmeeres. Doch das riesige „Gebiet Zentralanatolien“, wie es offiziell heißt, bietet darüber hinaus so manche Gegend, die mit der Gastfreundschaft ihrer Bewohner, mit besonderen Sehenswürdigkeiten und abwechslungsreicher Landschaft unvergessliche Eindrücke hinterlässt. Denn Zentralanatolien prägen ausgedehnte Hochebenen ebenso wie schroffe Hochgebirgszüge, Seenlandschaften und Salzseen. Ausgrabungen belegen, dass die Siedlungsgeschichte weiter Landstriche Zentralanatoliens mehrere Tausend Jahre zurückreicht. Eine interessante Stadt in Zentralanatolien ist beispielsweise Kaman im Herzen der Region. Nicht etwa, weil das Städtchen über besondere Bauwerke verfügen würde – außer den Überresten einer byzantinischen Festung, einer Moschee und einer sehenswerten Kirche gibt es nicht viel Erwähnenswertes. Doch Kaman besitzt ein überaus interessantes Umland. Nicht einmal zehn Kilometer entfernt befindet sich beispielsweise die Ausgrabungsstätte Kalehöyük, die Funde aus Perioden von der Frühbronzezeit bis ins Mittelalter zutage brachte. Chronologisch geordnet zeigt das zugehörige Museum diverse Artefakte und spannt den Bogen so über rund 10.000 Jahre.

Ein anderes von Kaman aus schnell erreichbares Ausflugsziel ist die Hirfanli-Talsperre, an der sich Zentralanatoliens größter Stausee befindet – übrigens mit Badestelle. Fährt man von hier aus weiter in Richtung Süden, so stößt man im trockenen Hochland bei Sereflikochisar auf ein Naturphänomen: den Salzsee Tuz Gölü. Inmitten einer kargen Steppenlandschaft zeigt sich der maximal zwei Meter tiefe See je nach Jahreszeit mit mehr oder weniger großer Wasserfläche, die es bis auf 1.500 Quadratkilometer bringt. Mit etwas Glück kann man an den Ufern Flamingos hin und wieder beobachten. Wer sich eher für Städte interessiert, sollte Aksehir besuchen. Die Kleinstadt in der Provinz Konya, die sich an die Sultanberge schmiegt, beeindruckt mit zahlreichen Museen, Parks und Bauwerken. Die Römer, die hierher nach Hethitern, Phrygiern, Lydiern, Persern und Griechen kamen, nannten den Ort um 30 v. Chr. „Philomelium“, was sich mit „Stadt der honigsüßen Liebhaber“ übersetzen lässt. Ob das milde Klima sie dazu inspirierte oder etwas anderes lässt sich heute nicht mehr genau sagen. Sicher aber ist – zumindest für die Einheimischen, dass der Humorist Nasreddin Hoca als Imam hier von 1237 bis 1284 mit seiner Familie lebte. Das „Nasredin Hoca Tübesi“ zeugt jedenfalls davon.

Beim Bummel durch die Stadt kommt man unter anderem an zahlreichen historischen Wohnhäusern aus verschiedenen Epochen, am Sifa-Hamam, an der Armenischen Kirche sowie den Moscheen Imaret Camii und Ferruh Sah Mescidi vorbei. Außerdem locken Basar, Atatürk- und Archäologisches Museum, Aksehir-Haus sowie nicht zuletzt der Gülmece Parki – der Nasredin gewidmete „Humor Park“ mit witzigen Skulpturen und Büsten. Ebenfalls weniger bekannt, aber interessant, ist die Stadt Beysehir am südöstlichen Ufer des gleichnamigen Sees. Mit der Esrefoglu-Moschee beherbergt die Stadt einen der besterhalten Bauten aus der Seldschukenzeit. Schon von außen beeindruckt das 1299 fertiggestellte Bauwerk mit seinem mächtigen Minarett und dem prachtvollen Portal. Und auch der edel ausgestattete Innenraum mit hölzernen Säulen und Deckenornamenten sowie dem reich verzierten Inventar fasziniert. Gleichfalls lohnt Kamaran – Hauptstadt der gleichnamigen, südlichsten Provinz Zentralasiens – einen Besuch. Deren wechselvolle Geschichte unter Herrschaft der Römer, Seldschuken und Karamaniden-Fürsten hinterließ viel Sehenswertes wie die Zitadelle Karaman Kalesi und die Moschee Yunus-Emre-Camii.

Geheimtipp Peloponnes – Nostalgie mit spektakulären Ausblicken

Ganz im Süden der Balkanhalbinsel ragt der Peloponnes ins Mittelmeer. Mit dem griechischen Festland durch eine schmale Landenge bei Korinth verbunden, lockt Südgriechenland hier mit urwüchsigen Gebirgslandschaften, dicht besiedelten Tälern und Küsten, die sich mal mit spektakulären Klippen, mal mit herrlichen Sandstränden zeigen. Zu den bekanntesten Städten zählen Sparta, Korinth und Olympia. Wer den Landstrich zwischen Ägäis und Ionischem Meer besucht, den zieht es meist zu archäologischen Stätten, in eines der zahlreichen Bergklöster oder zum Relaxen an den Strand. So mancher kommt auf dem Weg vom oder zum Fährhafen auch durch Patras, mit weit über 200.000 Bewohnern die größte Stadt dieser Halbinsel. Gut 50 Kilometer östlich dieser Metropole im Norden des Peloponnes stößt man auf Diakofto, einen idyllischen Ort mit Ferienhäusern, Hotels, Campingplatz und schmalem Kiesstrand auf einer Landzunge am Golf von Korinth. Idyllisch liegt das Dorf vor malerischem Bergpanorama in einer fruchtbaren Ebene. Bekannt ist es vor allem als Ausgangspunkt für eine Tour zum in und an die Felswand gebauten Bergkloster Mega Spileon, das zu den bedeutendsten griechischen Bauten dieser Art gehört.

Weit weniger Beachtung findet dagegen der kleine blau-weiße Zug, der am Bahnhof von Diakofto mehrmals am Tag auf Mitfahrer wartet. Seit 1896 schon tuckert die Zahnradbahn hinauf ins Helmos-Gebirge, und das auf einer grandiosen Strecke, deren Bilder man noch lange im Kopf behält. Auch wenn die Dampflok von einst inzwischen aktuellerer Technik weichen musste und die Waggons heute moderner sind als damals: Die Fahrt mit dieser Bahn bietet eines der eindrucksvollsten Erlebnisse auf dem Peloponnes. Zwischen Diakofto und Kalavryta legt der Zug gut 22 Kilometer zurück, die es in sich haben. Es geht durch die urige Vouraikos-Schlucht fast durchgehend steil bergauf. Stellenweise erreicht die extreme Steigung bis zu 140 Promille. Bis zu 800 Meter hoch ragen die rötlichen Felswände links und rechts der Schlucht nahezu senkrecht in den Himmel. Pausenlos rückt entlang des Flusslaufs scheinbar unberührte Landschaft ins Blickfeld und versetzt in Dauerstaunen. Hin und wieder zwängt sich der Zug zwischen den steilen Felswänden hindurch, überquert auf schmalen Brücken in schwindelerregender Höhe Abgründe und Wasserfälle oder begleitet munter plätschernde Gebirgsbäche.

Auch insgesamt neun Tunnel durchquert die Zahnradbahn auf der historischen Strecke, sie fährt durch scharfe Kurven oder bahnt sich direkt am Rande einer Schlucht ihren Weg an der Felswand entlang. Dass die beiden wegen einer Spurweite von nur 750 mm recht schmalen Waggons wenig Komfort bieten, stört kaum. Dafür fasziniert Eisenbahnfans sicher die ungewöhnliche Antriebstechnik. Nachdem aus der ursprünglich geplanten Streckenelektrifizierung nichts wurde, bezieht der elektrische Triebwagen seinen Strom nämlich aus einem flachen, zwischen den Waggons mitgeführten Generatorwagen. Wer zwischendurch nicht irgendwo aussteigt – beispielsweise an der Station „Mega Spileon”, um zum Kloster zu wandern – erreicht auf 720 Metern Höhe nach rund einer Stunde Kalavrita. In dem Dorf auf einer grünen Hochebene am Nordhang des bis zu 2.350 Meter hohen Helmos-Gebirges gibt es nichts Besonderes zu sehen – es präsentiert sich authentisch und ohne touristischen Schnickschnack. Hier kann man sich in der Taverne oder den Cafés mit griechischen Leckereien verwöhnen lassen, Souvenirs erstehen oder im Winter ins nahe gelegene Skigebiet mit mehreren gut präparierten Pisten weiterfahren. Die Talstation der Skilifte – übrigens Zweier-Sessellifte – am Berg Stiga befindet sich nur rund 15 Autominuten von Kalavryta entfernt.

Badeurlaub in der Türkei – vielleicht mal an der Schwarzmeerküste?

Zum Badeurlaub in der Türkei zieht es die meisten an die Süd- und Westküsten des Landes. Hier – in großen Touristenhochburgen wie Manavgat, Antalya, Marmaris, Bodrum oder Cesme – gibt es natürlich echte Traumstrände und zahlreiche historische Sehenswürdigkeiten. Doch gerade während der Saison strömen täglich Tausende hierher, Massentourismus eben. Für alle, die es eher etwas ruhiger mögen, bietet die Schwarzmeerküste eine herrliche Alternative. Der Norden der Türkei grenzt durchgehend ans Schwarze Meer, ein rund 1.300 Kilometer langer Küstenabschnitt. Hier findet man kleine Dörfer und lebendige Städtchen, weitläufige Strände und idyllische Buchten sowie nicht zuletzt scheinbar unberührte Natur mit faszinierenden Bergregionen. Anders als in vielen Orten des Mittelmeerraumes kann man entlang der türkischen Schwarzmeerküste seine Ruhe wirklich genießen, wird nicht ständig umworben, sondern als Gast einfach herzlich willkommen geheißen. Schließlich gilt die Region noch immer als Geheimtipp, denn nur wenige Touristen zieht es hierher. Dabei kann man seinen Schwarzmeer-Badeurlaub sogar mit einem Abstecher nach Istanbul verbinden. Beispielsweise in Sile, knapp 70 Kilometer nordwestlich der Metropole. Im Sommer locken Open-Air-Theater und -Konzerte in die altehrwürdigen Gemäuer eines Amphitheaters.

Historisch beschaulich präsentiert sich die gesamte Altstadt mit ihren Märkten, der Moschee, kleinen Restaurants und den Überresten einer Genuesen-Festung. Ebenso eindrucksvoll zeigt sich das Hafenviertel, und das nicht allein wegen der Ruine des ottomanischen Leuchtturms, die auf einer steilen Klippe ruht. Es ist vielmehr diese besondere Atmosphäre mit schaukelnden Fischerbooten und urigen Kneipen, in denen leckere Gerichte aus fangfrischem Fisch auf den Tisch kommen. Dazu der vom Meer hereinziehende salzige Geruch, der in der Luft hängt. Und an die Küstenabschnitte rund um Sile locken schöne Sandstrände. Die findet man dann auch andernorts. Östlich von Amasra zum Beispiel. Schon wegen seiner Lage auf felsigem Grund beeindruckt dieses 7.000-Einwohner-Städtchen bei Zonguldak. In dem 300 v. Chr. als Amastris gegründeten Ort hinterließen Genuesen, Griechen, Osmanen, Römer und Byzantiner so manche Spur ihrer Herrschaft. Das Archäologisch-Ethnographische Museum präsentiert einige sehr interessante Fundstücke aus Grabungen in und um Amasra. In der Altstadt stößt man darüber hinaus auf Überreste eines Hamam und eines Theaters aus der Römerzeit. Nicht zu übersehen ist die Zitadelle mit der zur Fatih Moschee umgestalteten Kirche.

Bei einem Ausflug durch das grüne, von Hügeln, Bergen und Terrassen geprägte Hinterland kommt man an Teeplantagen und Hängen voller Haselnusssträucher vorbei. Wer im Sommer etwas Abkühlung sucht, findet sie im Kackar-Gebirge, deren höchste Gipfel es auf um die 4.000 Meter bringen. Fährt man die Küste weiter entlang, landet man immer wieder in idyllischen Fischerorten, die sich ihre Ursprünglichkeit bewahrt haben, und kann sich an oft menschenleere Strände legen. Landschaftlich anders zeigt sich die türkische Schwarzmeerküste am Hamsilos Fjord nahe der zentral gelegenen Stadt Sinop. Die Provinzhauptstadt in Anatoliens Norden liegt auf einer Halbinsel, deren schmalste Stelle nur 200 Meter breit ist. Sinop besitzt nicht nur einen der bemerkenswertesten Naturhäfen der Region, sondern mit der imposanten Zitadelle, Resten der Stadtmauer sowie des Serapistempels und einigen Moscheen auch bemerkenswerte Sehenswürdigkeiten. Strände vom Feinsten bietet Sinop natürlich auch, insbesondere westlich der Stadt. Ganz gleich, wohin es einen an der türkischen Schwarzmeerküste verschlägt: Man findet vor allem im Nordosten idyllische Orte, viele mit großer Geschichte und fast jeder mit einem Sandstrand. Und mit 25 Grad Celsius und mehr stimmen im Sommer auch die Lufttemperaturen.

Dalyan – malerische Bucht an der Türkischen Ägäis

Die Stimme des Muezzin ruft täglich. In den Teehäusern sitzt man gesellig beisammen. Hier und da diskutieren Männer beim Backgammon. Im Basar herrscht hektisches Treiben. Und im kleinen Hafen, da schaukeln die bunten Boote auf dem Wasser, gleich neben der Moschee … Alltag in vielen Urlaubsorten an der Türkischen Ägäis, wo sich vor allem im Sommer Touristen drängen, sich wohlig an den Stränden räkeln und die kleinen Stadtzentren bevölkern. Vielerorts dominieren die einst idyllischen Landschaften heute riesige Hotelbauten. Nicht so an der Bucht von Dalyan, wenige Kilometer östlich der Lykischen Küste. Hier ist richtig, wer auf der Suche nach einer ursprünglichen Landschaft ist, Ruhe sucht und trotzdem gern den einen oder anderen Tag am Strand verbringt. Bekanntester Ort an der weiten Bucht ist Dalyan, gelegen an einem Kanal, der ein Delta und den dahinter liegenden See Köycegiz Gölü mit dem Mittelmeer verbindet. In dem beschaulichen Städtchen mit seiner belebten Promenade, einem Hafen, bunten Märkten, zahlreichen Restaurants und Läden fühlt man sich sofort wohl. Auch das Nachtleben mit urigen Kneipen, Bars, Clubs und Diskotheken lässt keine Wünsche offen.

Auf der Dalyan gegenüberliegenden Seite des Kanals erblickt man in einer steil abfallenden Felswand Relikte aus längst vergangener Zeit:karische Felsengräber aus dem 4 Jh. v. Chr. Vor dieser malerischen Gebirgskulisse bietet Dalyan einen herrlichen Strand – den Iztuzu Strand im Bereich der Mündung des Kanals. Man kommt nur mit einem Boot zu diesem Küstenabschnitt, an dem das Baden sowohl im flachen Meer wie auch in einer Süßwasserlagune möglich ist. Den Strand teilt man sich in den Sommermonaten allerdings mit den Unechten Karettschildkröten, die hier von Mai bis September in den frühen Morgenstunden an Land kommen, um ihre Eier abzulegen. Um diese geschützten Tiere nicht zu stören, darf man sich nur bis 20 Uhr am Strand aufhalten, keine Sandburgen bauen und auch keine Sonnenschirme in den Sand stecken. Wem Dalyan eine Spur zu touristisch ist, dem bietet Köycegiz im Hinterland eine schöne Alternative. Das kleine Fischerdorf liegt am Nordufer des gleichnamigen Sees und ist sehr ländlich geprägt. Den Tag kann man hier gemütlich an der Seepromenade ausklingen lassen, wo einige Cafés und Restaurants einladen, oder mit einem Boot zur Mondscheintour aufbrechen. Apropos: Von Köycegiz aus sollte man unbedingt übers Wasser bis zum Iztuzu-Strand fahren. Täglich um 10 Uhr legt ein Boot zu einer Tagestour Richtung Dalyan ab.

Die Route führt zunächst über den See ins Delta, wo in Sultaniye ein etwa einstündiger Zwischenstopp eingelegt wird. Der Ort ist vor allem für seine heißen Quellen bekannt. Schon in der Antike badeten die Menschen im 39 Grad warmen Wasser, dem Heilkräfte für verschiedene Beschwerden nachgesagt werden – aber auch sonst ist das Wasser auf jeden Fall eine Wohltat. Vielleicht nicht jedermanns Sache, aber dennoch ein Erlebnis und angeblich förderlich für die Schönheit, ist in Sultaniye zudem ein Sprung ins Schlammbad – und eine sich anschließende Reinigung im warmen Wasser des Sees. Nach diesem Abstecher geht es wieder an Bord und weiter durch eine atemberaubende Landschaft mit meterhohem Schilf und natürlichen Kanälen. Bevor man Dalyan erreicht, rücken auf dieser „Kreuzfahrt“ auch die Überreste der gut erhaltenen antiken Stadt Kaunos ins Blickfeld, die man sich vielleicht später einmal genauer anschaut. Zu sehen gibt es hier unter anderem ein Amphitheater, Mauerreste von Römischer Therme, Basilika mit interessanten Inschriften und Tempelanlage. Auch Agora, Festung und Hafenanlage mit Hafenbecken lassen sich noch gut erkennen. Zurück in Köycegiz kann man sich in den Bergen gleich ins nächste Abenteuer stürzen: Jeeptour, Baden unterm Wasserfall, Rafting, Trekking …

Makedonien – Griechenlands Kleinod fernab vom Massentourismus

Schon mal über eine Reise nach Makedonien nachgedacht? Wo das liegt? Auf der Balkanhalbinsel. Dann ist das wohl diese ehemalige jugoslawische Teilrepublik mit Skopje als Hauptstadt? Das stimmt nur zum Teil – dieses jetzt unabhängige Land heißt Republik Mazedonien und nimmt lediglich den nördlichsten Zipfel Makedoniens ein, auch winzige Gebiete Bulgariens und Albaniens gehören zu dieser historischen Landschaft. Überwiegend ist das geschichtsträchtige Makedonien heute jedoch griechisches Territorium und beherbergt neben West-, Zentral- und Ostmakedonien noch Thrakien und die autonome Mönchsrepublik Athos. Damit bildet Makedonien mit mehr als 34.000 Quadratkilometern die größte geografische Region Griechenlands. Landschaftlich bietet der Norden des griechischen Festlandes von weiten Ebenen rund um Giannitsa über gebirgige Regionen bei Drama und Litochoro bis hin zu Stränden auf der Halbinsel Chalkidiki und auf der Insel Thassos alles. Es gibt dichte Wälder, wilde Flüsse, Wasserfälle, Höhlen und herrliche Steilküsten. Auch Städtetouristen und Hobbyarchäologen kommen in Makedonien voll auf ihre Kosten. In Thessaloniki, Griechenlands zweitgrößter Stadt, zum Beispiel. Die von den Einheimischen kurz Saloniki genannte Metropole liegt am Thermaischen Golf und gehört zu den geschichtsträchtigsten Orten Griechenlands.

Gegründet 315 v. Chr. stößt man in der einstigen Hauptstadt der Provinz Macedonia auf zahlreiche historische Spuren. Darunter unter anderem aus venezianischer Zeit der Weiße Turm, Galeriusbogen und Reste des Kaiserpalastes aus der Römerzeit, das Latomos-Kloster als Zeugnis des Byzantinischen Reiches, dazu Hamams und der überdachte Markt der Osmanen sowie nicht zuletzt ungezählte Sakral- und Prachtbauten. Doch neben dieser faszinierenden, pulsierenden Stadt begeistert Makedonien mit vielen weiteren, meist weniger bekannten Orten. Florina unweit des Dreiländerdreiecks zu Albanien und Mazedonien ist so einer. Kaum ein Tourist verirrt sich hierher. Dabei gibt es in Florina wunderschöne Art-déco-Häuser zu sehen, der Fluss Sakoulevas schlängelt sich durch das idyllische Städtchen und mehrere Museen bieten interessante Sammlungen rund um Archäologie, zeitgenössische Kunst und Geschichte. Das Umland lädt zu ausgedehnten Wanderungen oder Radtouren in die Hochebene von Eordea ein oder in die atemberaubenden Berglandschaften von Pindos oder Verno. Auch mehrere Seen befinden sich in der Umgebung, unter anderem im Nationalpark Prespa-Seen. Wintersportler erwarten in der kalten Jahreszeit mehrere schneesichere Skigebiete. Ein weiterer empfehlenswerter, eher unberührter Landstrich findet sich in Ostmakedonien:

Drama. Hier kann man ein Stückchen an der alten Stadtmauer entlangbummeln, die seit Zeiten des Byzantinischen Reichs hier steht, Jahrhunderte alte Stücke im Archäologischen und im Kirchenhistorischen Museum bestaunen oder beim Anblick der Wasserspiele im Park Piges Agias Varvaras seinen Gedanken nachhängen. Einen Katzensprung entfernt von Drama wartet urwüchsige Natur mit dichten Wäldern, Berggipfeln wie dem 2.232 Meter hohen Falakro Oros und dem fast ebenso hohen Mount Menikion sowie einigen zauberhaften Tropfsteinhöhlen. Ein Geheimtipp für alle, die zum Baden nach Griechenland fahren wollen, ist Keramoti. Diese Kleinstadt an der Küste der Ägäis glänzt mit einem kilometerlangen, flach zum Meer abfallenden Strand mit feinem weißen Sand. Ideal für Familien mit Kindern. Über den Airport der nahegelegenen Stadt Kavala erreicht man dieses ehemalige Fischerdorf ganz bequem und kann mit der Fähre auch schnell mal nach Thassos übersetzen – die Überfahrt dauert rund eine halbe Stunde. Ganz in der Nähe von Keramoti befinden sich übrigens das Flussdelta des Nestor und die Nestos-Schlucht.

Epirus – kaum bekannt, dennoch wunderschön

Epirus. Klingt irgendwie mythisch, oder? Dabei bedeutet der Name aus dem Altgriechischen übersetzt einfach nur „Festland“ oder „Kontinent“. Zugegeben, zu den wirklich bekannten Reisezielen in Griechenland gehört diese Region im Nordwesten des Festlandes nicht. Doch „wenig bekannt“ mit „langweilig“ gleichzusetzen, tut der Region Epirus Unrecht. So ist Epirus eng mit der griechischen Mythologie verbunden, auch wenn die heutige Verwaltungsregion lediglich den südlichen Teil der einst viel größeren historisch-geografischen Region gleichen Namens ausmacht. Beispielsweise finden sich rund 15 Kilometer südwestlich der Regionalhauptstadt Ioannina Überreste des antiken griechischen Heiligtums Dodona. Dieses gilt als ältestes Orakel Griechenlands und zählt zugleich zu den bedeutendsten Orakelstätten seiner Zeit. Zwischen einer Bergkette und dem Tomaros-Gebirge zieht sich diese Grabungsstätte durch ein breites, etwa 12 Kilometer langes Tal. Gut zu erkennen sind Überbleibsel mehrerer Tempel und Profanbauten. Sehr gut überstand das riesige Theater die Zeit.

Eine weitere Verknüpfung zur Mythologie der alten Griechen schafft einer der Flüsse, deren Quellen in Epirus entspringen: der Acheron, einer von fünf Flüssen der Unterwelt. Darüber hinaus befand sich an der Küste von Epirus mit Ephyra eine bedeutende antike Stadt. Wer sich für diesen Ort interessiert, der einst mit dem Nekromantion ein berühmtes Totenorakel beherbergte, findet in der Nähe des Dörfchens Mesopotamo noch Spuren der Grabungsstätte. Ebenso interessant wie für Hobbyarchäologen und an Geschichte Interessierte ist die Region allerdings auch für begeisterte Aktivurlauber. Denn Epirus protzt mit reizvollen Berglandschaften, deren höchste Gipfel weit über 2.000 Meter in die Höhe ragen, mit dichten Wäldern, sanften Hügellandschaften, Flussläufen, Mooren und idyllischen Strandbuchten. Herrliche Wanderrouten gibt es zuhauf, eine schöner als die andere. In der Umgebung von Zagori geht es zum Beispiel durch eine Region mit zum Teil steil aufragenden Gebirgszügen, über Treppen hinab in grüne Flusstäler und vorbei an uralten steinernen Bogenbrücken, die den Bewohnern der 46 Bergdörfer früher den Weg durch das unwegsame Gebiet bahnten. Besonders authentisch präsentieren sich die kleinen Zagarochória – wie die Dörfer auf Griechisch heißen – mit ihren urigen, traditionell errichteten Natursteinhäusern noch immer. Sie scheinen sich die Atmosphäre aus den Gründungszeiten um 1400 auf immer bewahren zu wollen. Viele der Häuser schmiegen sich an die steilen Hänge der Schlucht Vikos, die das Guiness-Buch tatsächlich als tiefste Schlucht der Welt führt, und zwar wegen ihrer Enge.

Ein ideales Gebiet nicht nur für Wanderer, sondern ebenso für diejenigen, die eher auf Klettern, Mountainbiking oder Canyoning stehen. Auch Rafting ist möglich, die Stromschnellen des Flusses Voidomatis bieten dafür beste Bedingungen. Einer der beliebtesten Ferienorte von Epirus liegt in einer Bucht direkt am Ionischen Meer: Parga. Eine venezianische Festung auf einem Felsen überragt die schmucken Häuser, die sich vom Ufer aus einen Hang hinaufziehen oder auf  Felsen drängen. Man kann durch steile, verwinkelte Gassen stöbern, mit Blick auf die zerklüftete Küste über die herrliche Promenade flanieren oder am Sandstrand faulenzen. Ebenfalls am Wasser liegt die Hauptstadt Ioannina, allerdings im Landesinneren am Pamvotida-See. In der Altstadt blieben zahlreiche Bauten aus osmanischer Zeit erhalten. Zudem zeigen einige Museen interessante Ausstellungen, beispielsweise das in der Aslan-Pascha-Moschee untergebrachte Volkskundemuseum und das Byzantinische Museum auf dem ehemaligen Palastgelände. Bummeln kann man in Ioannina mit seinen vielen Läden, Kirchen und Parks stundenlang – und sich zwischendurch in Cafés oder Tavernen etwas Leckeres gönnen.